16. Mai – Kempten
Verkehrschaos in Kempten. Es ist Jahrmarkt.
Wir gelangen mit Mühe wieder aus dem überfüllten Parkplatz und zu einem nahegelegenen, nicht überfüllten Möbelhaus.
Eine halbe Stunde Möbelnichtwirklichangucken später zeigt die App keinen Stau mehr und es gibt auf dem Parkplatz einzelne freie Stellen.
Wir checken in meinem Lieblingshotel ein und laufen eine Runde.
Anhaltendes Krähengeschrei mischt sich mit Jahrmarktmusik. Ist der Himmel im Norden schwarz, bleibt es aber trocken mit Sonnenmomenten.
Die Eisheiligen machen ihrem Namen alle Ehre, es ist einstellig kalt.
Abends dann ESC (bis) zum Einschlafen.
17. Mai – Reschensee & Algund
Fünf Servicekräfte und ein Gast – Sonntagmorgen, 7 Uhr beim Frühstück.
Ich fühle mich subtil beobachtet, ein Kellner trägt ständig meine Teller weg.
Durch die großen Fenster sehe ich blauen Himmel, auf den Bergen Schnee.
Wir fahren über den Fernpass und weiter die 180 Richtung Reschenpass.
Eine Ziege verirrt sich zwischen die Leitplanken und verursacht, im Sekundentakt mähend, Staus in beide Richtungen.
Am Reschensee schickt uns der überfüllte Parkplatz zum Glück weiter auf den leeren zweiten Parkplatz hinter dem Tunnel.
Der See hat wenig Wasser, man kann auf dem Damm um die Kirche gehen, sieht in jeder Himmelsrichtung wieder neue Fotomotive.
Die restliche Fahrt nach Algund zieht sich.
Nach Einzug in die Ferienwohnung schnell ein Großeinkauf im sonntagsoffenen Shopping-Center und ein Spaziergang um den Ort.
Wir blicken zum Dorf Tirol hoch und laufen ein bisschen an der Etsch entlang.
18. Mai – Meran
Es ist eine wilde Busfahrt nach Meran. Mit einem Minibus.
Diese Größe erklärt sich, als wir in die Weinberge abbiegen und einspurige, links und rechts bemauerte Gassen rasant durchfahren.
Kommentar einer Mitreisenden: „Der fährt wenigstens normal!“
In Meran laufen wir die Laubengasse hindurch bis zur Gilfpromenade.
Genießen die schattigen Wege unter alten Bäume, die Brücken über die Passer. Alles liebevoll angelegt und supergepflegt.
Mit durchnummerierten Laternen.
Während wir in der Wandelhalle sehr spät frühstücken, kommt ein Gärtner mit Schlauch und sprengt die Rosen direkt neben uns.
An der Passer und in den Cafés sitzen gemütlich Menschen und sonnen sich. Noch ist es nicht zu warm.
In den Lauben laufen wir durch einige Hinterhöfe und Durchgänge mit immer neuen Durchblicken.
Anschließend zum Bahnhof und mit dem immer voller werdenden Bus zurück.
Jeder Wetterapp zum Trotz ist es heute den ganzen Tag trocken.
19. Mai – Algunder Waalweg & Tappeinerweg
Wir fahren mit dem Bus bis Plars und sparen uns so den „Aufstieg“.
Der Algunder Waalweg ist ein uriger Weg. Ziemlich schmal, oft liegen auf dem Waal Natursteinplatten als Brücken zu den Bänken.
Mal fließt der Waal stürmisch, mal ganz gemütlich. Manchmal verschwindet das Wasser auch ganz und wird durch ein anderes ersetzt.
Der Algunder Waalweg führt durch Weinberge, durch Obstplantagen und durch urwaldartige Bäume.
Es geht meist geländerlos nebendran steil bergab und hat dadurch etwas wildes und naturbelassenes.
Er endet an der Hängebrücke über den Rio di Mut.
Nach der Hängebrücke und ein paar 100 m auf der Straße, gelangt man zum Tappeinerweg, mit grünem Geländer und Wasserabflussrinne aus Kieseln.
Überall wurden blühende Blumen gepflanzt, er wirkt ein bisschen wie ein botanischer Garten. Es gibt Palmen und Agaven, manchmal Kakteen.
Neben Bänken hundegerecht oft Steinschalen mit Regenwasser. Leider stehen die meisten Bänke in der Sonne. Die inzwischen wirklich warm scheint.
20. Mai – Schloss Trauttmansdorff
Mittags fahren wir zu den Trauttmansdorffer Gärten. Genießen die Kühle im Waldgarten. Überall blühen Mohn und Rosen, es duftet.
Eine selbstmordgefährdete Eidechse springt mir direkt vor die Füße. Wir gehen auf halber Höhe einmal durch und dann am Seerosenteich zurück.
Für ganz oben wurde es uns zu warm. Ist wirklich schön hier. Auch beim zweiten Besuch noch.
Nur die Parkplätze auf P1 sind nicht mehr zeitgemäß. Hätte ich eingeparkt, hätte ich nicht mehr aussteigen können…
21. Mai – Trient & Arte Sella
Wir fahren nach Trient. Irgendwo hatte ich mal gelesen, dass diese Stadt sehr sehenswert ist, auch wenn die meisten an ihr vorbeifahren.
Ist so. Wir parken auf dem riesigen Parkplatz am anderen Ufer, kostenfrei, und gehen über die Brücke und eine Unterführung und begegnen la dolce vita.
Straßen-Restaurants, Cafés, durchgehend sehr chic gekleideten Italienern. Richtig, die deutschen Urlauber fallen auf. Bequeme Schuhe und Klamotten.
Als erstes besuchen wir das Castello del Buonconsiglio.
Unglaublich. Empfehlung!
Das berühmte Treppenhaus mit der Aussicht vom „Balkon“ durch die Säulen auf die Stadt. Über ihm kreisen Schwalben, ausdauernd und mit hoher Geschwindigkeit.
Unter ihnen versucht ein Fotograf die ganz Gruppe vor den Säulen aufs Bild zu bekommen und verrenkt sich halb über dem Abgrund.
Wir gehen weiter durch riesige Räume mit knarzenden Holzdielen, in jedem ein Wachposten, der sich schnell vom Stuhl erhebt, wenn jemand den Raum betritt.
Die Decken sind alle bemalt oder dreidimensional verziert. Dann gibt es Gänge in luftger Höhe durch Innenhöfe, zahllose Treppenhäuser, Türme und Durchblicke.
Ohne Besichtigungsrichtung wäre ich verloren gewesen.
Anschließend laufen wir durch die Gassen.
Schnell verliert sich der Lärm der stark befahrenen Straßen und weicht – eben, la dolce vita.
Auf dem Domplatz findet eine Veranstaltung statt. Grüppchen von Menschen. Belebt, aber nicht überlaufen.
Glattgelaufene Marmorplatten finden sich und ab und an ein Innenhof mit Bäumen.
Wir setzen uns in ein Straßenrestaurant in den Schatten und genießen die Welt.
Und, so kurz vor Abend, fahren wir noch zur Arte Sella.
Einsam in einem hochgelegenen Tal, eingerahmt von schroffen und auf der anderen Seite weniger schroffen Bergen.
Die Straße beinah einspurig am Felsen entlang. Natürlich mit nicht rechtzeitig bremsenden Gegenverkehr.
Ja, wir wollen da wirklich hoch.
Kunst in der Natur. Ein Park mit, ja mit was eigentlich? Kunstwerken aus Natur, manchmal aber auch nicht aus Natur, allesamt groß, manchmal wirklich witzig.
Manche schon eingewachsen, zur Natur selbst geworden.
Und alles in einer traumhafen Gegend. Wir laufen kurz vor Schließung eine Runde.
22. Mai – Dorf & Schloss Tirol
Bus eins hat 15 Minuten Verspätung, Bus zwei 8 Minuten.
Aber dann endlich kommen wir im Tirol Dorf an. Die Sonne strahlt, es wird heiß.
Beim Frühstück fliegen Spatzen im Tiefflug über unsere Köpfe.
Radio mit der gleichen Musikfarbe wie der Heimatsender bringt Werbung für Defibrillatoren. Danke auch dafür…
Wie gehen durchs Dorf. So gemütlich nebeneinander liegen Läden, Restaurants und der Friedhof mit schönem Ausblick.
Schlagen den Weg zum Schloss Tirol ein. Müssen vor dem kleinen Tunnel bei Rot warten.
Es kommt tatsächlich ein Auto entgegen, kaum schmaler als der Tunnel.
Das Schloss dann fühlt sich eher an wie eine Burg, massiv, kühl, dunkel. Liegt wunderschön am Hang.
Auch hier laufen wir eine Runde und genießen die Aussicht auf das schräge Etschtal im Westen.
Anschließend gehen wir in eines der Restaurants. Dort wieder Spatzen.
Einer klaut sich, nach dem Foto, blitzschnell ein großes Stück Kaiserschmarrn, kommt mit der schweren Last aber nur einen Meter weit.
Im Verlauf der nächsten Minuten wandert das nach und nach kleiner werdende Stück immer weiter von uns weg. Großes Spatzenkino.
Wir fahren mit dem Bus wieder runter und laufen noch einmal durch die Gassen.
Meran ist einfach schön.
23. Mai – Meran 2000 bis Naifjoch Vista
Zweimal Bergbahn, erst bis zur Bergstation Piffing und dann weiter bis zum Naifjoch.
Wenn in der Gondel das Brummen der Motoren verstummt und nur ein leises Surren übrigbleibt, fühl ich mich wie im Himmel.
Am Naifjoch hat es angenehm kühle 13 Grad und einen Wind, den es weiter unten noch nicht gibt. Hier wird auch die Bahn mehrfach kurz angehalten.
Schneereste, Menschen in Liegestühlen, Enziane überall. Das Gras ist noch nicht aus dem Winterschlaf aufgewacht.
Auf dem Naifjoch Vista kann man vom Dach der Station hinunterblicken, sieht rundherum Berggipfel.
Wir fahren wieder zur Bergstation und essen im Cubus. Oktopusgulasch auf einem Berg.
Zwar nicht erkennbar, aber doch schmeckbar unter der ganzen Soße.
Hinter uns kippt einem Frau mit dem Liegestuhl hintenüber und kommt vor Lachen kaum hoch.
In der Gondel hinunter vier Mädchen mit Gruppenfrisur, die bei jedem Mast so tun, als ob wir abstürzten…
24. Mai – Sellajoch/Pordoijoch & Pragser Wildsee
Wir verlassen Algund morgens um 10 Uhr bei schon 25 Grad Richtung Sellajoch. Kommen durch Wolkenstein, saftig grün alles. Die Straßen gehen steil hinauf.
Sind dann am Sellajoch von den Bergriesen neben uns fast erschlagen, auch von den Automengen und vor allem Motorrädern.
Anschließend erklimmen wir das Pordoijoch, dort wird die Landschaft weiter und karger. Trockener.
Dann geht’s über den kleinen Campolongo-Pass nach Norden. Im weiteren Verlauf sehen wir sehr viele tote Nadelbäume und schon abgeholzte Flächen.
In Bruneck machen wir einen sehr kurzen Spaziergang und fahren dann weiter Richtung Pragser Wildsee.
Abends, nach 18 Uhr, fahren wir zum See, dem See, der bei Tag völlig überlaufen sein soll.
Die Parkplätze leeren sich, die Restaurants schließen und die Sonne bescheint nur noch den hinteren Teil.
Wir gehen los und sind sprachlos, wie kitschig schön der See da in den Bergen liegt.
Steinmännchen liegen am Strand und das Wasser ist klar mit leichter Pollennote. Schotter überall, ein paar Schneereste.
Der Rückweg führt dann über Treppen höher am Steinhang entlang.
Auf dem See muss ein Boot abgeschleppt werden, der Mann schafft es nicht gegen den Wind zurückzurudern.
Wir sehen ihn vorher noch mit dem Ruder in der Luft rumhantieren…
Und dann sehen wir die Spiegelungen, die massenweise im Internet zu finden sind.
Und ich kann nicht aufhören zu fotografieren…

25. Mai – Die drei Zinnen
Als wir an der ersten Kontrollstation ankommen, schickt uns der Kontrolleur hoch,
wir sollen aber vor der Mautstelle noch 15 Minuten vertrödeln, denn die Parkgenehmigung hat einen festen Zeitslot.
So entdecken wir den kleinen See Lago Antorno auf 1800 Meter Höhe und kommen uns vor wie in Norwegen.
Die Parkgenehmigung muss man online vorher buchen, dafür kann man dann entspannt hinauffahren und bekommt einen Parkplatz zugewiesen.
Die Strecke ist nach der Winterpause erst seit drei Tagen wieder geöffnet.
Wir gehen bei traumhaft kühlen 15 Grad und 2300 hm den Touristenweg bis zur kleinen Kirche, der Cappella degli Alpini.
Schauen noch einmal um die Ecke in die Weite. Die Welt ist hier ganz weit weg.
Die Ausblicke nach unten und oben sind umwerfend. Wir haben das Gefühl, die Zinnen beugen sich über uns, so steil hoch thronen sie dort oben.
Unten sehen wir einen Wanderweg ins Tal, in der Ferne ein paar Orte, schroffe Felskanten gegenüber und vor uns Menschen mit Selfies.
Zu hören Schritte auf Kies und leises Gemurmel. Telefonate auf schweizerdeutsch oder asiatisch.
Gut gelüftet fahren wir dann wieder Richtung Heimat.
























































































































































































