20. Juni
Der Beginn unseres diesjährigen Norwegenurlaubs ist eine ziemlich windige Angelegenheit.
Beim Auslaufen fegt es einen beinah vom Deck, Laufen gegen den Wind fast unmöglich.
Das Bild dann in der Kabine beruhigt. Galgenhumor.
21. Juni
Auf der Fjordline zwischen Stavanger und Bergen. Morgens scheint die Sonne. Echtes Urlaubsfeeling.
Zwei Stunden später springen die Hagelkörner 30 cm hoch von den Tischen.
Bei Ankunft in Bergen gießt es. Nennt sich jetzt Sommer.
Wir fahren zum Lone-Camping und faulenzen den Rest des Tages.
22. Juni
Ausflug zum Freilichtmuseum Gamle Bergen in Sandviken. Letztes Jahr nicht gefunden, dieses Mal fahren wir aus Versehen hin.
An einem der riesigen Kreisverkehre verpassen wir eine Ausfahrt und landen im langen Tunnel.

Gamle Bergen – ein traumhaftes kleinen Museumsdorf mit einigen antiken Häuschen, kleinen Hinterhöfen, Gässchen und Treppen.
Zusammengesammelte Geschäfte und Werkstätten mit den ihnen typischen Gerüchen.
Wohnzimmer wie bei der Oma, die Küchen sind gewöhnungsbedürftig. Ein Dorfplatz mit Flair und Drehorgel.
Zum dortigen Friseur würde ich nicht gehen wollen, seine unzähligen Stylinggeräte hängen alle am eigenen Kabel.
Allein die lederbespannten Sessel bereiten mir Unbehagen.
Wir fahren zurück nach Bergen. Ein paar Eindrücke der Stadt. So dies und das.
Wir laufen die steilen Serpentinen oberhalb der Fløibane hoch. Links und rechts queren Straßenschönheiten.
Seitlich Häuser mit gemütlichen Balkons mit Blick zum Torgallmenningen, wo Bands open air spielen und Titel der Stones rüberwehen.
Gemischt mit den Kirchenglocken und ein paar Möwen und Schiffen entsteht ein buntes und lebendiges Bild im Kopf.
(Memo an mich: Mikro rechtzeitig einschalten…)
Oben die Brannstasjion mit flachem, quadratischem See. Der Ausblick wunderbar.
Weiter gehts in die weiße Stadt.
Schief und krumm die Gassen, meistens weiß gerahmt mit Farbtupfern von gelbem Mohn, grünem Farn und roten Rosen.
Sie verzaubern mich. Kopfsteinpflaster als Kunstwerk, an den Häuserkanten unzählige Blüten.
Kleine Hinterhöfe mit Blumenkübeln und schwarzer Katze.
Jede Ecke sieht ganz besonders aus. Und die Ecken nehmen fast kein Ende. Anbei der Sound:
Die Kirche der Hansekaufleute, ein paar alte Bäume, alte Gräber und Wege inmitten der Kopfsteinstraßen.
Mariakirken schmiegt sich an die Bryggen und strahlt Ruhe aus.
Lustig das „Nirvana" neben den Grabstätten.
Wie laufen wieder zum Torgallmenningen.
Bergen Beat Club – Stones und Joplin, Open Air Musik, Sommer, Menschen. „Oh Lord, won't you buy me…"
Bei der Stones Coverband war es voller…
Um die Beine zu schonen, fahren wir noch zum Ulriken.
Kurz und ruhig fährt die Bahn hoch, bis 643 m über dem Meer. Dort Schafe, Glocken, Wanderer und ein Turnerparadies.
Ein Restaurant, ein kleiner Souvenier-Shop. Eine Treppe auf den Gipfel in Bau oder Reparatur.
Kälte. Langeweile. Wenn es warm wäre, könnte man schön wandern.
24. Juni
Gestern nur gefahren, von Bergen bis hierher an den Likholefossen – der Platz ein Traum.
Es rauscht der Wasserfall, ein paar Vögel zwitschern, eine lustige Fliegenart sonnt sich an den Pfosten der Hütte.
Rundherum knorrige Kiefern, auf dem Dach ebensolche, Heidelbeeren, Moos, Felsen.
Ein echtes Sofa mit weichen Kissen unter dem Dach der Hütte, Kaffee in der Morgensonne.
Hier die Atmo von der Hüttenterrasse:
Wir laufen den Fossestien.
Vom Likholefossen bis zum Skålebotnselva, durch Matsch, über Holzbohlen, durch Schafe und Kühe.
Schüchterne Kühe übrigens. Erst als ich eine Weile stehen bleibe, traut sich eine zu mir und schnüffelt mit feuchtwarmer Nase an meiner Hand. Daraufhin trabt eine forschere an, leckt Hand und Arm, versucht sie in ihr Maul zu ziehen.
Die Schafe bimmeln alle mit mehr oder weniger hohen Glocken. Zusätzlich sind sie mit Sender ausgestattet, zum leichteren Wiederauffinden.
Das Wetter spielt auch mit, angenehme sonnige 19 Grad. Das Gras ganz grün und saftig, gelbe, rosa, blaue Blüten. Farne ganz jung.
Überall Moor und Bäche und Pfützen. Ein wunderschöner Weg.
Am Ausfluss des Myravatnet kann man viele verschiedene Muster bestaunen.
Dort verläuft ein Damm mit sieben Durchlässen. Alle unterschiedlicher Tiefe, Breite und Form.
25. Juni
Utsikten uten utsikt – Aussichtspunkt ohne Aussicht.
Schon an der Stelle, an der das Gaularfjell sich durch den Berg Richtung Utsikten quetscht, kommen uns die Wolken in Scharen entgegen.
Als seien sie froh, in die freie Landschaft entkommen zu können. Ähnlich Schafen, die das Loch im Zaun entdecken.
Utsikten selber, das krumme Dreieck über dem Abgrund, ist wie in Watte gepackt. Selten ist eine Bergspitze vor blauem Himmel zu sehen.
Es ist fast windstill, und bis auf drei klingelnde Schafe unter uns auch lautlos. So ganz anders, so ganz besonders.
Dann eine kurze Überfahrt nach Hella, jenem Zwischenhalt, bei dem alle Autos von der Fähre gescheucht werden,
damit die Weiterfahrenden auf dem Anleger wenden und daraufhin anders(richtig)herum wieder auf die Fähre fahren.
Eigentlich wollten wir direkt nach Fjærland, aber Kartenlesen war heute morgen nicht so meine Stärke.

Zwischenlandung im Norsk Bremuseum. Klein, aber fein. Mit kreativem Abenteuerrundgang durch die Zeit.
Mit einem Modell des Jostedalsbreen, mit abgehobener Gletscherkappe.
Und obercool: Mit nach brüllendem Mammut klingenden Wasserhähnen. War aber vielleicht auch nur Zufall…

Den am schnellsten erreichbaren Gletscher, den Bøyabreen erlaufen wir kurz.
Wie etliche Motorradfahrer und Wohnmobilisten auch.

Zur Untermalung hier der Sound des abfließenden Wassers:
26. Juni
Es regnet in Stryn den ganzen Tag. Eigentlich machen wir nix. Gehen nur abends, als es endlich trocken wird, in die Stadt.

27. Juni
Eine spannende Straße führt nah am Abgrund entlang des Lovatnet nach Süden.
Es wird enger und holperiger, dann kommen Reisebusse entgegen.
In manchmal schwindelerregender Höhe verläuft die Strecke am See entlang.
Links Steilhang, rechts Abgrund, rechts-unten See.
Von der Kjenndalstova schlängelt sich die Straße weiter in Richtung Gletscher. Schlaglöcher häufen sich.
Die Piste besteht nur noch aus Schotter. Irgendwann ein großer Parkplatz mit Tischen und Klohäuschen.
Auch mit vergessenen Wanderschuhen auf einem Felsen. Und, wie konnte es auch anders sein, mit ein paar Steinhaufen.
Die letzten Meter gehen wir zu Fuß, erst auf Schotterwegen, dann über und durch die Felsen und Steine.
Überall blühen kleine Blumen, fliegen Hummeln.
Schnell, sanft und fast geräuschlos bringt uns der Loen Skylift hinauf auf den Hoven. 1011 Meter Höhenunterschied, die man kaum bemerkt.
Ein „Huaaaaahhhhh!" ist hörbar bei der Rückfahrt, als die Kabine über dem oberen Mast steil nach unten kippt und so sehr schaukelt,
dass es die Dame vor mir fast umkippt.
Der Ausblick vom Dach des Restaurants ist schon genial, auch wenn man wenig vom Jostedalsbreen sieht.
Alles ist noch so neu, Bagger sind am Werk, Wege und Plätze werden gerade frisch angelegt.
Etwas weiter entfernt wieder klingelnde Schafe und sonst Stille.
Auch Windstille.
Wieder zurück in Stryn machen wir einen Stadtbummel.
Stryn ist nicht wirklich schön, aber immerhin gibt es eine Flaniermeile. Sagen wir 400 Meter, das trifft es eher.
Dort ein paar Läden, Tankstellen, Lebensmitteldiscounter. Und ein paar Straßencafés.
Irgendwie ist es cool, im hohen Norden sein Abendessen in der Abendsonne zu genießen.
Etwas versteckt liegt die alte Brücke zwischen ein paar alten Holzhäusern. Dort ist es gemütlich.
28. Juni
Ein Ausflug zum Gamle Strynefjellsvegen. In den Wolken ist es grau-weiß-neblig. Das westliche Strynefjell ist unsichtbar, kalt und windig.
Hier liegen auch um einiges mehr Schneereste, die Wolken hängen hier wohl oft fest.
Am Langevatnet sehen wir das erste Mal Landschaft. Die Eisschollen auf dem See, die geschwungenen Berge, die Straße.
Die Autos, die entgegenkommen, nicht nur die Scheinwerfer. Am See sehen wir sie stehen und fotografieren. Und reihen uns ein, denn es ist wunderschön.
Auf der Rückfahrt ist es an der genau gleichen Stelle immer noch wolkig-neblig-feucht.
Dann, endlich, steigen die Wolken, dass wir den Weg sehen, von dem wir vorher so rein gar nichts mitbekommen haben.
Weiter bis zur Dalsnibba fahren wir noch.
Ziemlich fluffig, da oben. Obwohl erstaunlich windstill, bewegen sich die Wolken ständig woandershin.
Den Geiranger sieht man manchmal, manchmal nicht.
Auf dem Weg zurück fragt eine Frau an der Bomstelle, ob es sich heute lohnt, hochzufahren. Sieht man ihn?
Mal ja, mal nein. So sonnig wie hier unten ist es oben nicht.
Echt, die Straße lohnt sich auch ohne den Blick auf den Geiranger. Allein die Schneefelder sind die Fahrt wert.
Auf dem Rückweg kommen wir am Jostedalsbreen Nasjonalparksenter vorbei.
Eine noch kleinere Ausstellung, dafür ein schönes Projekt am Ufer: Im Werden begriffen ist ein botanischer Garten.
Die Felsarten nach Fjorden aufgeteilt stehen schon. An jeweils einer Stelle geschliffen und poliert, offenbaren sie schöne Muster.
Innen die Zeitungsartikel von den Lovatnet-Felsstürzen.
Damals wurden Orte zerstört, da die ins Wasser herabfallenden Felsen riesige Wellen ausgelöst hatten.
Spiegelungen dürfen mittig. Es spiegelt wirklich schön am Strynevatnet.
Vor allem die Wolken, die uns auf dem Fjell die Sicht versperrt haben.













































































































































































