24. September

Nach drei langen Jahren wieder in Oslo.
Ein paar Sonnenstrahlen, viele Menschen – es ist Stadtfest. Ein Kinderkonzert, Essenstände, überfüllte Cafés.
Gierige Möwen im Sturzflug auf das Brötchen in der Hand einer Frau. Roller überall.
Die Großbaustelle auf dem Rathausplatz am Hafen ist endlich fertig. Es gibt nur noch Straßenbahnen und Radwege.
Das neue, kühle Nationalmuseum, klare, scharfe Kanten. Mein Lieblingscafé leider nicht mehr am Platz.

25. September

Bei schönstem Wetter schauen wir das Gebiet um das neue Munch-Museum an.
Gehen alle neuen Straßen ab, sichten schwimmende Vögel und Saunen, besuchen die nächsten Baugebiete.
Und die Deichman-Bibliothek, ich fahre einmal eine der Rolltreppen.
Und beschließe, beim nächsten Mal alle einmal zu benutzen.

26. September

Weiterfahrt nach Norden. Es ist das gleiche Wetter wie beim letzten Mal: Regen, Niesel, Nebel in den höheren Lagen.
Die E6 bis Ringebu, einmal tanken, einmal Burger. Dann aufs Fjell zum Friisvegen.
In der Hütte machen wir uns es gemütlich und lauschen dem Regen auf dem Dach. Stundenlang.
Die Birkenblätter sind hier schon gelb, die Temperatur einstellig. Herbst.

27. September

In einer trockenen Nachmittagsstunde fahren wir 14 km den Friisvegen hinauf bis in die Wolken.
Kalter Wind zerrt an den Autotüren, die Pflanzen herbstlich bis verdorrt. Tiere keine sichtbar.
Auf dem Rückweg erkunden wir das Ås(t)dalen. Das führt nach Osten in eine Sackgasse und wird von zwei Farben bestimmt: Beige und gelb.
Zusammen mit schwarzen Baumstämmen und Flechten unter grauem Himmel.

28. September

Meine Lieblingsstrecke im Osten: Friisvegen – Jutulhogget – Trontoppen – Os
Ist der Friisvegen noch regnerisch, wird es dann immer trockener und schöner.

Das Gelb der Bäume ist allgegenwärtig. Erst als Tannen und Kiefern dazukommen, wird das Landschaftsbild dunkler.

Wir nehmen wieder den kleinen Weg rechts weg zur Jutulhogget.
Die Schlucht in Herbstfarben hat auch was. Vor allem die Flechten leuchten gefühlt viel heller.

Und dann landen wir für eine Viertelstunde im Winter.
Der Weg hinauf auf den Trontoppen ist erst freundlich, dann wolkigneblig und schließlich oben verschneit, Schneematsch überall, mit steifer Brise.
Selbst ein paar Flocken landen auf der Scheibe. Unterhalb der Wolkenschicht ist dann wieder Herbst.
Diesmal begegnen uns nur zwei weitere Autos und keinerlei Radfahrer. Angenehm leer.

Unsere heutige Hütte befindet sich in Os, 15 km südlich von Røros.

29. September

Wir fahren zum Kvitsanden, der großen Düne im Innenland.
Ganz so weiß wie auf Bildern ist der Sand nicht mehr, Flechten und Gräser erobern sie.
Auf einem Damm laufen wir hin, einem Damm, der einmal ein Flussbett unter einem Gletscher war.

Der Sand stammt aus dem geschmolzenen Gletscher. Und damit er nicht weiterfliegt, wurden Kiefern und andere Pflanzen angesiedelt.
Ich vermute, in ein paar Jahren gibt es einen Steg drum herum in drei Meter Höhe und das Betreten des Biotops ist untersagt.
Dann gibt es sicher auch mehr Parkplätze und eine perfekte Ausschilderung.

Endlich können wir auch das Rørosmuseet neben den Schlackehügeln anschauen. Sehr lohnenswert.
Im schummrigen Untergeschoss stehen viele Grubenmodelle, liebevoll über dem hohlgegrabenen Untergrund aufgebaut.

Man sieht Arbeiter oberirdisch und in den Grubengängen, Pferde und funktionierende Wasserräder.

Wir laufen noch ein bisschen durch die Hauptgasse Kjerkgata und landen auf einen Snack in der Kaffestuggu.

30. September

Eine gemütliche Fahrt, von Os nach Øysand, immer bergab.
Von karger Hochebene in Täler mit Nadelbäumen und Wiesen bis zu den Getreidefeldern entlang der E6.
Mähdrescher sind unterwegs, die Sonne scheint, ein perfekter Tag.
Auf der E6 mehr Geschwindigkeit, mehr Verkehr, mehr Baustellen und auch mehr fertige Abschnitte.
Unterwegs stolpere ich über die alte Bergan Bru, das wörtlich, unter dem Gras verstecken sich viele Wurzeln und halten meine Füße fest.

In Øysand am Trondheimfjord beziehen wir unser Strandhaus.
Direkt am Wasser, die Abendsonne im Gesicht. Herrlich.

1. Oktober

Es ist kurz vor 8 Uhr, drei Schichten Klamotten, heißer Kaffee und ein Sofa auf der Terrasse. Die Sonne schafft es so langsam über den Hügel, es ebbt und Sandbänke tauchen auf.
Der Wind weht in stürmischen Böen und in den Birken zwitschern einzelne Spatzen. Im Hintergrund schnattern Gänse, zu Hauf, scheint ein Sammelplatz zu sein.
Urplötzlich verdreifacht sich die Lautstärke der Gänse, wird zum Lärm. Ein weiterer Schwarm gesellt sich zu dem hiesigen.
Mit dem Bild sich begrüßender Gänse im Kopf, trinke ich meinen Kaffee und grinse.

Mittags machen wir einen Spaziergang durchs volle Trondheim. Den neugestalteten Marktplatz Torvet anschauen.
Gemütlich, beim letzten Mal war dort alles metertief aufgerissen.
Ein bisschen Kaffee kaufen und Burger essen. Lecker mit Knoblauchpesto und Sauerrahm.
Alle Cafés quellen über, Markstände sind gut besucht, Läden und Passagen voll entspannter Menschen.
Für die große Runde ist das Wetter nicht schön genug.

Auf der Rückfahrt sehen wir die Gänse auf einem abgeernteten Getreidefeld sitzen. In Grüppchen und alleine, Hunderte.
Später dann dieses traumhafte Abendrot.