Eine Tour von Calais bis Cuxhaven. Die Küste entlangzufahren hat etwas.
Jedes Land hat einen völlig anderen Zugang zum Meer und bietet komplett unterschiedliche Eindrücke.
1. September: Calais-Dunkerque
Es kostet einige Mühe, in Calais die zur Küste parallel verlaufende D119 zu finden.
Sie entpuppt sich als ruhige Landstraße durch Wiesen und Wälder. Nur vereinzelte Häuser, Pampa.

In Grand-Fort Philippe machen wir einen Spaziergang hinaus auf die Mole.
Es flutet und weht heftig, nebendran ein paar leere Priele, die sich erstaunlich schnell wieder füllen.
Der Fluss übrigens mit Namen L’Aa.

Der L’Aa ins Landesinnere nach Gravelines gefolgt, dann weiter nach Dunkerque.
Auch dort bestimmt das Hafenbecken das Stadtbild, der museumseigene Segler vor dessen Tür.
Schön anzuschauen, aber nur Sonntags zu besichtigen. Heute ist leider Montag. Und ohnehin schon Abend.
Yachten in Reihe, aber nichts los. Die Saison ist offensichtlich vorbei. Nieselregen drückt zusätzlich auf die Stimmung.
Also nur ein kurzer Spaziergang und die Hoffnung, dass es morgen schöner wird, das Wetter.
2. September: Dunkerque – Middelburg

In Leffrinckoucke laufen wir ans Meer, dort gibt es Herzmuscheln, Miesmuscheln und Scheidemuscheln in rauen Mengen.
Über Dunkerque steht eine riesige Wolke.
In Belgien überfallen uns dann die Betonburgen. Keine zwei Kilometer nach der Grenze fängt es an und hört nicht mehr auf.
Kommt man in Frankreich nur in den Ortschaften an die See, fährt man in Belgien pausenlos am Wasser, merkt es aber oft nicht.
An Hässlichkeit kaum zu übertreffen, verhindern Hochhäuser die Sicht aufs Meer.
Selten gibt es Parkplätze an Stellen, an denen der Zugang möglich ist.
Südlich von Middelkerke ist einer.

Dann kann man umgeben von duftenen Heckenrosen über Holzlatten durch die Dünen zum Strand gehen.
Ein traumhaft schöner Sand, an den Dunen tummeln sich Möwen,
kleine Krebse und anderes Getier in den Tümpeln zwischen den Steinen.
Die größte Fläche ist jedoch Muschelfriedhof. Möwen speisen gut hier.
Über die perfekt infrastrukturierte Straße geht es nach Oostende. Attraktiv geht anders.

In Oostende verpassen wir knapp die Sandkunstwerke am Strand.
Hinter Absperrungen wird begonnen, den Bausand zurück auf die Laster zu verladen.
Auch hier wunderschöner Strand eingerahmt von Hochhäusern. Diesmal viele Austernschalen.

Oostende sonst hat eine nette Fußgängerzone.
Viele kleine Läden und belgische Waffeln, diese nicht aus Hefeteig, im Gegensatz zu den Lüttichern.
Entlang der Innenstadt das obligatorische Hafenbecken mit Yachten ohne Ende.
Knokke-Heist ist der letzte belgische Touristenort auf der Fahrt nach Norden.
Die niederländische Grenze finden wir nicht sofort. Kurven in der nördlichen Ecke Belgiens eine Weile herum.
Landschaftlich schön, keine Hochhäuser, dafür Bauernhöfe, gemütlich.
Wir machen einen Abstecher nach Breskens, der Fähre nach Vlissingen entgegenschauen. Leider transportiert sie keine PKW.
Abends um 18 Uhr die Flut, die unsere gebauten Sanddämme überspült.
Bei Terneuzen ändert sich das Landschaftsbild, die Zahl der Dämme, Schleusen und Deiche nimmt zu. Die Zahl der senkrecht stehenden Straßen auch. Wir fahren durch den Westerscheldetunnel nach Zeeland. Middelburg ist unsere nächste Übernachtungsstation.
3. September: Middelburg – Den Haag
Middelburg ist ein wunderbares kleines Städtchen mit Marktplatz, Cafés und Kanälen mit Hebebrücken,
die tatsächlich regelmäßige Öffnungszeiten haben.
Nördlich von Middelburg machen wir Strand-Station bei Vrouwenpolder,
auf der linken Seite das Binnengewässer, das Veerse Meer, rechts hinter den Dünen die Nordsee.


Am Strand bei Scheveningen sammeln wir Holzkiesel. Hinter uns das mondäne Kurhaus.
Alles wirkt edel, ein Café oder Club nach dem anderen, auch am Strand. Zwischen ihnen hindurch gehts zum Wasser.
Der Sand ist unglaublich fein. Möwen liegen dösend herum, Kinder rennen, Erwachsene machen Spaziergänge.
Spazieren gehen wir auch noch in der Altstadt von Den Haag, klein aber fein, mit Passage, Innen- und Außenhof.
Und einigen Straßenrestaurants. Schade, dass um 18 Uhr bereits die meisten Läden geschlossen haben.
4. September: Den Haag – Petten
Nördlich von Den Haag wollen wir am Meer frühstücken.
In Katwijk scheitern wir kläglich, da an die 500 Meter der Stadtpromenade Baustelle sind,
ein riesiges Gebäude ist dort im Entstehen begriffen.
Wir weichen nach Noordwijk aus. Dort ist es angenehm leer und friedlich.
Zwei Stunden Idylle am Strand. Frühstück im Sand. Super-Wetter.
Kontrastprogramm, die Schleusen von IJmuiden.
Mensch kann auf den Schleusentoren herumlaufen und auf die Boote spucken.
Oder einfach nur das Schauspiel genießen.
Rund 50 km weiter nördlich liegt Petten liegt hinter dem Deich.
Ein paar Läden, Restaurants, ein Campingplatz in der Idylle.
Auf der anderen Seite des Deichs Strand, Dunen, Möwen, Muscheln und ein Strandcafé.
Hinter diesem liegen die ursprünglichen, brüchigen Dünen, die nächstes Jahr Verstärkung von einem Deich bekommen sollen.
Das Strandcafé muss dann vorübergehend weichen. Hier gönnen wir uns einen ganzen Tag am Meer.
6. September: Petten – Leer
In Den Helder besuchen wir Willemsoord, einen Museumshafen.

Einige Schiffe liegen in den Uralt-Trockendocks.
Die Saison ist auch hier eindeutig vorbei, nur einzelne Touristen streunen herum.
Trostlosigkeit macht sich breit und wird in einem Latte ertränkt.
Weiter geht es über den großen Abschlussdeich nach Leeuwarden.
Ein interessantes Städtchen mit vielen Kanälen und Brücken.
Es ist Markttag, das Wetter jedoch nicht wirklich prickelnd.
An Frieslands Küste sieht man nur noch Schlick, irgendwie ist immer Ebbe.

Die Grenze nach Deutschland überfahren wir abwechslungshalber mal auf der Autobahn, die Ems unterfahren wir.
Leer ist unsere erste Übernachtungsstätte in Deutschland,
und wir hören auf der Straße interessanterweise mehr holländisch als in den Niederlanden.
7. September: Leer – Varel
Ostfrieslands Häfen klappern wir ab.
Strandkörbe auf kläglich kleinen, vermutlich aufgeschüttenden Strandstücken fallen mir auf.
Die großzügige Weite der bereits erlebten Strände fehlt.
Kulturschock nach Greetsiel, Neuharlingersiel und Bensersiel ist der Jade-Weser-Port in seiner Unvollkommenheit, aber mit Info-Center.
Wilhelmshaven besticht durch fehlende Wegweiser, erst steht Zentrum dran,
dann nichts mehr, kein Zentrum in Sicht, aber das liegt wahrscheinlich am fehlenden Zentrum. Eine Nachkriegsstadt.
Am Jadebusen-Ufer gegenüber kann man Dangast sehen, wenn man denn hinschaut.
In Dangast bin ich erstaunt, wie gut man Wilhelmshaven sieht. Hab ich als Kind in den 70ern schlicht nicht bemerkt.
Über diesen Gedanken wird es Abend und wir machen Station in Varel.
8. September: Varel – Cuxhaven
Unser Weg führt durch Varels Altstadt, über den Hafen zur Weserfähre Brake-Sandstedt.
Auf die ganz altmodische Art einen Fluss zu überqueren, hat etwas.
In Bremerhaven dann ein kurzer Abstecher in die Innenstadt und zum Hafen mit den Museumsschiffen.
Dort kann man unter dem “aufgebockten” Wassertrecker “Stier” drunter durchlaufen.
Ein merkwürdiges Gefühl, Schiff von unten fühlt sich irgendwie falsch an.
Für die letzte Strecke nehmen wir die Autobahn.
Ein paar Stunden Cuxhaven sind gefüllt mit Hafen, Alter Liebe, Innenstadt und Windstärke 10, dem Museum.
Welches sich, by the way, echt lohnt. Vorausgesetzt man mag Schiffe.














































































































































