Samstag, 14. März 2026
Stuttgart Flughafen.
Der Kapitän: „Eigentlich sind wir pünktlich, aber wir haben gerade gesehen, dass der Tankwagenfahrer die Tankklappe mitgenommen hat.“ Nagut.
Eine Weile später wird „der Bösewicht gefasst“ und das Flugzeug kann endlich 30 Minuten verspätet los.
Dann bekommt der Flugbegleiter bei der Sicherheitsunterweisung einen Lachanfall. Kichernd zeigt er Schwimmwesten. Auch gut.
Die letzten Sonnenstrahlen kratzen an den Wolkenrücken, bevor die Sonne dann in Höhe des Polarkreises untergeht.
Das Flugzeug schafft es mit Rückenwind sogar zehn Minuten früher nach Tromsø.
Die Ankunft des Koffers dann erst eine Stunde später.
Italiener, Deutsche und Niederländer stapeln sich in der Gepäckhalle.
Ich setze mich auf den Boden und warte. Mich kann heute nichts aufregen. Urlaub, lang ersehnt, endlich wahr geworden.
Mit dem Flughafenbus gehts in ein paar Minuten in die Stadt. Eine Runde ans Wasser und über die Fußgängerzone zum Extra, Leckereien einkaufen.
Was als erstes auffällt: Ampelphasen dauern für Fußgänger ewig. Da fahren erst nacheinander alle Richtungen Autos, bevor
alle Fußgänger gleichzeitig für zehn Sekunden laufen dürfen. Ich stehe also an jeder Ecke recht lang und meide daraufhin Ampeln.
Als zweites: Reifen mit Spikes sind sehr laut.
Und als drittes: Es ist sehr staubig und dreckig auf den Straßen.
Sonntag, 15. März 2026
Ich hatte einmal ein Vorurteil.
Dass Tromsø ja nur aus einer Kirche und einer Brücke bestehe. Wurde mir ungläubig vorgehalten, als ich erwähnte, diese Reise gebucht zu haben.
In der Zwischenzeit hatte ich das Internet leer geschaut.
Und meine Meinung komplett geändert.
Ich bin gespannt, ob mich diese Stadt offline auch so begeistert.
Der erste, sehr frühe Morgenspaziergang am Wasser.
Beginnend im Süden beim Strandtorget und dann nach Norden bis zur Tromsøbrua.
Es herrscht Windstille, aber so gar nicht Stille, überall brummen mehr oder weniger laute Generatoren.
Ich gehe am Hafen entlang, zwei Stunden bei leicht frostigen Temperaturen. Die Sonne schaut durch ein paar Löcher und ich bin glücklich.
Ich laufe zum Skansen und weiter zur riesigen Streetart, die in direkter Nachbarschaft zu kleinen Holzhäusern noch monströser wirkt.
Streetart gibt es in Tromsø wirklich viel.
Und immer noch ist es zu früh zum Frühstücken.
Ich trödel querbeet wieder zurück zum Strandtorget und zur Kaffebønna. Endlich Frühstück, warm und gemütlich mit Wienerbrød und Latte.
An einem „Mac/PC-freien“ Tisch. Arbeiten ist hier nicht erwünscht, Gespräche schon, zur Not auch mit sich selbst.
Satt laufe ich einmal, ein einziges Mal, über die Tromsøbrua um eigentlich zum Fjellheisen zu gelangen.
Die Ausblicke von der Brücke sind cool, die Autos neben einem eher weniger. Immerhin ist Sonntag und damit etwas weniger los.
Hätte ich im Internet noch einmal nachgeschaut, hätte ich rausgefunden, dass der Fjellheisen wegen Revision und Bauarbeiten bis Anfang Juni außer Betrieb ist.
So bemerke ich im Laufen, dass er nicht fährt und setze mich in den nächsten Bus zurück.
Anschließend eine Tour mit dem Bus Richtung Telegrafbukta.
Ein uriges Gebiet, krumme Bäume und Pfade ans Wasser, Sonne von gegenüber, im Hintergrund schneebedeckte Berge.
Die Wellen plätschern, auf dem Steg Angler, Sonntagsspaziergänger immer wieder.
Es ist Tromsøs Naherholungsgebiet mit Badebucht. Beinah wie in unberührter Natur.
Etwas weiter die Straße entlang das Museumsgehöft Mortengården, ich versinke in 30 cm tiefem Schnee, umkreise die Häuschen.
Das Haupthaus ist auf der Rückseite nicht gelb…
Montag, 16. März 2026
Bei schönem Wetter auf einen Latte ins Risø, sehr lecker. Gegenüber wieder ein mächtiges Gemälde.
Vormittags gehe ich die Storgata entlang, mit allen Seitenstraßen und Plätzen, Rathaus und Bibliothek.
Ich bin entschieden zu früh unterwegs. Erst nach einer weiteren Kaffeepause in der Svermeri füllen sich die Straßen.
Nun kann ich die Bibliothek auch von innen anschauen.
Nach dem Mittag mache ich eine Fjordrundfahrt mit der MS Bard.
Der einzigen norwegischen Angestellten an Bord werde ich in den nächsten Tagen noch zweimal begegnen.
Die Sonne scheint kräftig als wir losfahren und ich stehe mal wieder draußen und lausche den Wellen.
In einem Fjord halten wir eine Weile und es ist dort in der Windstille richtig warm. Ich setze mich auf die Sonnenseite und versinke in Gedanken.
Wir besuchen eine alte Fischfabrik und sehen Elchhaufen direkt neben Fischtrockengestellen.
Später zieht es zu und dann dauert die Fahrt gefühlt eine Stunde zu lang.
Dienstag, 17. März 2026
Morgens früh mit dem Bus hoch zum Trykkbassenget, dem Trinkwasserbehälter.
Der rundherum genial bemalt. Leider durch Schneehaufen bedingt nicht ganz zugänglich.
Auf der anderen Straßenseite gehts zum Friedhof. Der liegt auf dem Hügel direkt neben dem Wohngebiet und bietet eine wunderbare Aussicht.
Manche Gräber haben den Vorteil, unter einem Baum zu liegen und sind beinah schneefrei. Andere versinken in ihm. Oft werden sie auch freigeschaufelt.
Es ist schön dort oben, kalt, windig, ruhig.
Zwei Bushaltestellen später gelange ich an den Prestvannet.
See und Sumpf sind unter Schnee verborgen. Überall gibts Fußspuren und ich versinke mal eben bis zum Knie.
Der Bus bringt mich wieder zurück, direkt auf die andere Seite zur Ishavskatedralen.
Der Splitt vor der Kirche wird eben noch mit dem Schlauch mehr oder weniger gut beiseite gespritzt und dann kann man hinein. Fegen wäre schneller gewesen.
Die Morgensonne scheint durch das bunte Fenster und bringt die Farben zum Leuchten. Der Flügel ist perfekt poliert.
Ich genieße den Weg zurück am sonnigen Hafen entlang und besuche die alte Domkirke.
Das ist mal ganz was anderes. Alles aus Holz, alles strahlt in warmen Farben und ist viel gemütlicher als das moderne Gegenstück auf der anderen Fjordseite.
Mittwoch, 18. März 2026
Der Tag beginnt mit einem Waffelkunstwerk im Koselig Cafe und besucht dann einen Dackel.
Es weht heftig. Der Regen macht den Schnee so richtig glitschig, er steht auf dem Eis, und wenn’s kein Eis gibt, in zentimeterdickem Matsch.
Bei der Polstjerna weht es mich fast weg. Ich fotografiere Helmer Hanssens Schlittenhunde und finde dann den Dackel, der mit glimmernden Augen am Ufer steht. Drollig.
Ich gehe einmal auf die Mole und begegne mehreren Hunden auf Gassitour. Praktisch, können sie schon nicht weglaufen.
Dann unglaubliche 35 Euro Eintritt für ein paar Robben im Polaria. Ist vielleicht wenigstens für einen guten Zweck.
An der Glasbläserei vorbei laufe ich zum anderen Ende der Stadt ins Polarmuseum.
Im zweiten Raum gibt’s viele tote Robben, als Fell oder ausgestopft in 3D, in allen vorkommenden Größen.
Ich habe noch nie ein Bild davon im Internet gesehen und auch selber keines gemacht. Ich weiß, es ist Geschichte, aber dennoch makaber.
Latte Nummer zwei gibt’s in der Vervet Bakeri,
alles andere quillt vor Touristen über. Dort gibts einen Tee namens „grüner Grashüpfer“.
Ins Perpesktivet Museum, dort gehört: „Morgen ist noch weit weg und ein Teil vom Heute auch“. Muss ich mir merken.
Abends eine Nordlichtfahrt mit ohne Nordlichter.
Aber auf einem fast ganz stillen Schiff im Meer zu plätschern und in einem Wolkenloch den großen Wagen über sich zu sehen, gehört zum ganz großen Kino.
Donnerstag, 19. März 2026
Eine kurze Weile im Sturm den Rentieren beim Futtern zuschauen.
Der Wind schiebt mich und auch die Tiere über den eisigen Boden. Da die Menschen mit den Futtereimern es so nicht wirklich zu den Tieren schaffen,
kommen halt die Tiere zu den Menschen, bedrängen, werfen Eimer um, stressen junge, frierende Asiatinnen.
Dann beginnt es auch noch zu gießen, so dass sich alle in die Tipis verziehen und abwarten.
Dort riecht es wie in einer Räucherkammer und es zieht ständig in den Augen. Winterjacke und Skihose riechen noch Tage später nach Schinken.
Der Sturm macht mit den Zeltplanen einen ungeheuren Lärm und der Holzboden wackelt wie das Schiff gestern abend.
Alle tippen auf ihren Handys herum, auch Selfies sind der Renner. Zigfach. Vor allem bei jungen Asiatinnen.
Nach dem Rentiereintopf – erst füttern, dann essen – und ein paar Informationen über die Sami kommen die Busse, und ich bekomme wieder warme Füße.
Abends gibt es eines der berühmten Mitternachtskonzerte, das um 23 Uhr beginnt und eine halbe Stunde norwegische Musik bietet.
So in der dunklen Domkirche sehr stimmungsvoll.
Freitag, 20. März 2026
Der Tag zwischen Kunst und Kommerz. Vielleicht nicht in dieser Reihenfolge.
Die Wetterapp sagt für heute durchgehend Regen voraus.
Und hat auch noch Recht.
Also fahre ich per Bus ins Jekta, das Rieseneinkaufszentrum in der Nähe des Flughafens.
Hier gibt es Pullover aus Waschbärenwolle für mal eben 250 Euro. Kuschelig weich und federleicht. Aber nein.
In einem Cafe flackern die Fake-Kerzen synchron, in einem anderen sitzt ein Männerstammtisch beim Kaffee.
Es gibt ganze Klamottengänge, manche sehe ich mehrfach, man verläuft sich hier gerne. Mein Lieblingssupermarkt hat meine Lieblingszeitschrift.
Und hier werde ich endlich auf norwegisch angesprochen. Glück pur.
In Regen wieder zurück, Mittagessen beim Egon, danach erst einmal erholen.
Später wieder los zum Nordnorwegischen Kunstmuseum, etwas mager.
Ein Blick ins Kystens Hus, ins Full Steam-Restaurant, rumlaufen macht heute aber nur begrenzt Spaß.
Ohne Schirm wird man nass, mit windtechnisch auch. Also von Laden zu Laden zurück.
Samstag, 21. März 2026
Wolkenlöcher!
Kunst am Hafen bis mir kalt wird, dann ins Kaffebønna zum Latte mit Kanelsnurror.
Ich kaufe eine Rentier-Tasse, eine Tüte Espresso. Dann mach ich erst einmal Pause.
Nach einem Regenguss ziehe ich nochmal los zum Full Steam und ins Museum ganz oben im Speicher. Wunderschön gemacht.
Ich hänge in reichhaltiger Gesellschaft im Kystens Hus rum, bis der nächste Regen-/Schneeschauer vorbei ist, gehe dann rüber zum Hurtigrutenkai –
und yeah, endlich einmal rechtzeitig, um die Hurtigrute zu begrüßen.
Hat ja nur bis zum letzten Tag gedauert…
Also – wenn das Wetter mitspielt, ist es hier wunderschön.
Ich denke, ich sollte noch einmal im Sommer hier aufschlagen.
Wenn der Fjellheisen wieder funktioniert und ich einen Ausflug zur Sommarøya machen kann.



























































































































































































































































