1. September – 42 Tage Erholung

Der erste Tag, der sich nach Urlaub anfühlt.
Wir fahren durch Dänemark bei traumhaftem Sommerwetter und sind rechtzeitig in Hirtshals.

Diese Reise ist meine bisher längste durch Norwegen, zwischen Molde und Kristiansand, Vestkapp und Hamar sind wir unterwegs.
All die schönen Orte anschauen, die ich entweder noch nicht kenne oder aber wiedersehen möchte.
Schönheiten am Wegesrand finden und auch einfach faulenzen. Und das ständig laufende Radio in meinem Kopf mal ausschalten.

Der Ausgang des Fahrzeugdecks heißt dann „Dancing Queen“.
Das geht ja gut los…

Fotos diesmal Sony, iPhone und Gopro.
Hab mal wieder vor lauter Filmen das Fotografieren vergessen.
Für die aus Fotografensicht bescheidene Qualität der Bilder aus den Videos entschuldige ich mich im Voraus.
Ungeachtet dessen sind es meine Erinnerungen und sie transportieren das perfekte Urlaubsgefühl.

2. September – Ankommen und gondeln

Sonnenaufgang beim Halt in Stavanger.
Die neu zugestiegenen Passagiere treffen sich mit einem Kaffee in der Hand am Heck.
Als die Sonne dann da ist, bin ich fast alleine. Heftig windig hier.
Meinen ersten Kaffee im Pappbecher genieße ich lieber drinnen mit Blick auf die Sonne,
der Kassierer des Bordbistros preist mir den Kassenzettel grinsend als Souvenir an.
Pünktlich in Bergen nieselt es dann.

Die knapp zwei Stunden nach Voss gehen trotz Baustellen schnell vorbei und der Campingplatz hat eine Hütte für uns.
Die ganze Stadt ist voller Menschen, abends findet eine große Veranstaltung statt. Einkaufen im Amfi, Fish & Chips und einen Vossacascet beim Diner.
In der Hütte gegessen und dann rüber zur Voss Gondol. Am Veranstaltungszelt vorbei –
dort Soundcheck für die bis nach Mitternacht dauernde Veranstaltung.

Die Seilbahn funktioniert nach dem Null-Mann-Prinzip:
Da steht nur ein Kassenautomat, beim Einsteigen passt auch niemand auf,
und als später ein Alarm losgeht, schlurft gelangweilt ein nicht wirklich anwesender Mensch herbei.
Auf dem Hanggurstoppen ist es kahl, kalt und grau. Immerhin trocken, morgen soll es regnen.
Nur vereinzelt laufen Leute rum. Heiße Schokolade gibt es im beinah leeren Restaurant.
Sehr geschickt – im stockdusteren Ausgang hängen „Vorsicht Stufe“ Schilder.
Mit der Gopro vor der Nase mache ich den ersten Abgang dieser Reise.

3. September – Bordalsgjelet und Folkemuseum

Den ersten Kaffee vor der Hütte gibt es heute im Nieselregen. Mit einem letzten Gedanken an die Daheimgebliebenen.
Zum Frühstück dann ganz norwegisch Knäckebrot mit salziger Butter und Snøfrisk.
Mittags gehen wir zur Schlucht Bordalsgjelet, die eng, nass von oben und unten und nicht wirklich lang ist.
Diesmal laufen wir alle drei Zugänge ab und fahren danach zum Voss Folkemuseum mit dem Mølstertunet.

Im Mølstertunet gibt es 16 wunderbare Holzhäuser und Scheunen.
Die Scheune gleich am Eingang links hat mehrere verschieden hohe Ebenen mit Durchblick und würde mir als Wohnhaus gefallen.
Es gibt Ställe mit Bodenauslass und einem Bett für den Hirten, Dachgeschosse mit so kleinen Stufen, dass meine Füße nur halb draufpassen.
Dunkle Küchen mit Feuerstellen mitten drin, gemütliche Wohnzimmer, eine kleine Kammer für einen Altbauern mit noch kleinerer Küche.
Der Blick hinab in’s Tal auf Voss und den Vangsvatnet ist traumhaft. Selbst bei diesem Wetter.

Daneben steht ein sehr nettes Museum. Im Eingang hängt eine Karte mit allerlei Getier,
unter anderem auch einem aggressiven Lemming – „in bösem Zustand!“.
Im Museum stehen allerlei Alltagsgegenstände aus vergangenen Zeiten
und interaktiv kann man durch die Straßen von Voss, damals Vangen, im Jahr 1930 laufen. Spannend.
Blöderweise bemerke ich nicht, dass die Gopro Bilder anstatt Videos macht,
so fällt die Filmausbeute im Museum ziemlich mager aus.

Anschließend, weil Sonntag, essen wir weiter nördlich in einer Tankstelle mit Diner ein Stück Pizza.
In einem trockenen Moment gehen wir noch an den Strand und laufen die Halbinsel bis zur Spitze.
Die Überschwemmungen der letzten Wochen haben einiges an Sand abgelagert.
Wenigstens leuchtet die Sonne etwas durch die Wolken.

4. September – Von Voss nach Lærdal

Bei feuchten Wetter fahren wir los nach Norden.
Zuerst will die Hängebrücke nahe der Tankstelle von gestern fotografiert werden.
Den Tvindefossen besuchen wir für fünf Minuten und werden komplett eingenebelt.
Neben der Straße in der Nähe von Vinje entdecken wir eine schöne Steinbrücke.
Leider ist Stalheimskleiva immer noch geschlossen, aber am Rastplatz unterhalb finden wir wieder eine alte Brücke.
Danach verschwinden wir eine Weile im Gudvangatunnelen.

Diesmal fahren wir den Weg nach Undredal.
Eine schmale Straße in ein kleines Dorf, mit Wasserfall, Fähranleger, Laden und Restaurant. Und winziger Stabkirche.
Das Geräusch des Wasserfalls begleitet uns auf dem ganzen Spaziergang. Es ist erstaunlich warm, man kann am Fjord die Sonne genießen.
Auf dem Rückweg liegt wieder eine Horde Ziegen auf dem Weg herum.

In Flåm finden wir einen Latte und einen „Geit Kid Burger“.
Große Mengen unterschiedlicher Soßen verschwinden zwischen den Brötchenhälften. Latte sehr lecker.
Eine ganze Allee mit Ständen ist in Flåm aufgebaut, viele Menschen flanieren, sitzen, speisen im Angesicht eines riesigen Schiffes.

Wir fahren über das Aurlandsfjell, besuchen den Stegastein kurz und bekommen oben den Regen beinah waagerecht von links ab.
Es ist ungeheuer windig und kurzzeitig gibt es einen Hauch Sonne mit Regenbogen.

Die Hütte in Lærdal beziehen wir bei Regen.
Nach einer Pause und dem Blick in die Wetterapp gehe ich in die Øyragate ins alte Lærdalsøyri.
Überall tropft es aus den Regenrinnen und -abflüssen. Kaum jemand läuft um die Zeit bei dem Wetter dort herum.
Auch hier ist die Saison vorbei.

Bei Ebbe abends noch ans Wasser. Wir rutschen auf Algen und genießen die Ruhe.

5. September – Über Borgund und den Tyinsee zur Lunde Turiststasjon.

Nach Ausschlafen und Wetterberuhigung fahren wir Richtung Borgund.
Die historische Straße mit Sjurhaugfossen und vom Wasser zerstörter alter Königswegbrücke
ist die viel schönere Strecke neben der im Tunnel verlaufenden neuen Straße.
Auf der anderen Seite sieht man den Königsweg, gepflastert mit dicken Felsbrocken, nah am Abgrund zum Wasser.
Auch sichtbar ist ein schmaler Pfad, noch dichter am Wasser.
Die Sonne strahlt die nasse Straße an und es ist wunderschön dort.

Ein Stück weiter kommen wir zum Vindhellavegen.
Der Parkplatz ist überfüllt, etwas weiter weg finden wir ein Plätzchen.
Wir gehen den breiten, grasigen Weg bis zum höchsten Punkt und bewundern die Schleifen.
Nehmen dann die Abkürzung hintenrum zu den Kirchen.
Die führt durch urige Felder und entlang Wäldchen. Man glaubt manchmal nicht, dass dieser Weg ein offizieller ist,
aber ab und an bestätigen dies die Wanderschilder.
Neben den Kirchen kommen wir raus, schauen auf uralte Gräber und gehen auf einen Himbeersaft mit Kokoskuchen ins Besucherzentrum.
Der Saft ist lecker, der Kuchen viel zu süß.
Da die gruppenreisenden Holländer (im PKW) inzwischen abgereist sind, ist der Parkplatz wieder zugänglich.

Weiter geht es über das Filefjell zum Tyinsee, ein entspanntes, sonniges Fahren,
leider am Tyin durch Baustelle und Ledebil aufgehalten.
Zehn Minuten, die dann doch länger werden. Der arme Bauarbeiter muss im kalten Wind vor uns stehen.

Die Strecke nach Øvre Årdal runter ist bombastisch. Steil, kurvig, mit großartigem Ausblick.
Beim Mamamia ordern wir eine Schinken-Salami-Pizza und warten solange in der Sonne.
Da der Tindevegen leider wegen Belagsarbeiten gesperrt ist, gehts am Fjord entlang – wieder mit Ledebil und wieder zehn Minuten Wartezeit
und anschließend mit 20km/h durch den Tunnel – zur Fähre und weiter nach Sogndal.

Beim Amfi kaufen wir ein, vor dem Tunnel nach Fjærland wieder Ledebil und 15 Minuten Wartezeit.
Auch dieses Ledebil fährt durch einen sechs Kilometer langen Tunnel nur mit 30km/h. Muss das so?

Wir beziehen die Hütte in Lunde auf einem Bauernhof.
Direkt an einem Wasserfall ist es richtig laut dort.