22. April
Erste Eindrücke von Edinburgh:
Graubraune hohe, schmale Häuser, die Blocks durchsetzt von Baulücken oder modernen grauen oder braunen Riesen.
Abwasserleitungen außen an der Hausfront, manchmal in Benutzung, manchmal amputiert.
Bröckelnder Putz, abblätternde Farben. Nebelschwaden in der Luft.
Je weiter der Bus in die Innenstadt vordringt, desto ordentlicher werden die Häuser.
Das Erdgeschoss wunderbar bunt lackiert, locken Läden mit schottenkarierten Schals oder Falafeln.
Überhaupt gibt es viele exotische Restaurants.
An einigen Stellen pfeift Wind um die Ohren, Regentropfen fallen in die Pfützen, Busse rutschen auf nassem Kopfsteinpflaster an die Haltestelle.
Mengen wippender Touristenregenschirme, vereinzelt Polizeisirenen.
Die Burg ist in tiefhängenden Wolken nur halb wahrzunehmen, Kirchtürme wirken wie angelöscht. Ein interessanter, aber so nicht erhoffter Einstieg in den Urlaub.
Wir gehen über Georges Brücke hoch zur High Street und hatten doch mehr Höhenunterschied erwartet.
Erst der Blick zur Neustadt offenbart die Höhe der Burg.
23. April
Wir gehen am Grassmarket vorbei zum Castle hoch. Diesmal ist es sonnig und gleich viel schöner.
Touristengruppen mit nummerierten Tafeln, fremdländische Klänge, Schotten mit Kilt und Regenjacke, sehr geschmackvoll.
Beim Lawnmarket wird die Straße eng. Reisebusse müssen in den Kurven zurücksetzen und halten den Verkehr auf.
Durch die Old Town geht es kreuz und quer, hinunter zum Princes-Park, wieder hinauf zur New Town.
Der Park leuchtet und blüht. Das Castle thront weit über uns, Kinder rennen umher, Erwachsene liegen auf den Grasflächen.
Es duftet nach Frühling.
Auf der Princes-Street Dudelsacktöne, Feuerwehrsirenen in gleicher Tonart.
Sportgrüppchen unter Leitung einen Mannes mit einer eigenartigen Aussprache des Englischen. Wenn es denn überhaupt englisch war.
Im großen Andenkenladen Radio Gaga mit dem Dudelsack, dutzende Mini-Whiskyflaschen, Bobby als Magnet, Shortbread und Cashmere.
Und dann Jenners. Von außen lässt sich nicht erahnen, wie verwinkelt sich das Kaufhaus gibt.
Um einige Ecken herum gelangt man zum Herzstück, der großen Halle mit Holzgalerien und Glasdach.
Durch Verbindungsgänge, in durchnummerierten Miniaufzügen, auf uralten Rolltreppen gelangt man von einem Bauwerk ins Nächste.
Und das mit sehr viel Flair.
24. April
Holyrood Palace. Düster, mit hunderten Portraits, alle in braun gehalten. Nebendran die Abbey, die als Ruine nur steht.
Mächtige Säulen, Grabplatten, ein Seitenschiff mit Dach, von außen ab- und unterstützt.
Der Park sehr englisch und mit vielen blühenden Bäumen. Primeln doppelt so groß wie unsere, frisch geplanzt wird auch hier, es kommt also nicht alles durch den Winter. Auf dem Rasenflächen sind mehrere Rasenmäher unterwegs.
Kaffee gibts im Eingangsbereich, gemütlich unterm Glasdach, das uns auch den kleinen Schauer vom Hals hält.
Das Parliament Building ist der moderne Bau gegenüber, der als eigenständiges Gebäude sehr raffiniert daherkommt, im Gegensatz zum Rest der umliegenden Häuser aber keinen Charme besitzt.
Etwas weiter bergan die Canongate Church, die eingehüllt in rosa und weiße Blüten und in das saftige Grün der Rasenflächen regelrecht leuchtet. Der Friedhof liegt hangabwärts mit Blick zum New Parliament. Unnötig zu erwähnen, dass auch dort der Rasen wunderbar gepflegt ist.
Hinüber zum Calton Hill, einmal ums Monument und hinunter zur Neustadt.
In der Neustadt gibt es die schmale Rose Street, nicht wirklich alt, aber abgesehen von den querenden Lanes, die eher hässlich kreuzen, eine charmante Fußgängerzone.
Weiter nach Norden dann die George Street, breit, mit Parkstreifen in der Mitte, reichlich Busverkehr und ständig roten Ampeln. Auf jeder der großen Kreuzungen stehen Statuen von Prominenten. Die Plätze austauschbar, leicht zu verwechseln.
Hier tummeln sich auch einige bunte Läden. Die Straße wirkt etwas trostlos, vielleicht weil die Sonne sich wieder versteckt. Nach Norden und Süden geht’s jetzt bergab, im Norden schweift der Blick weit in die Ferne zum Wasser, im Süden stößt er an den Castlehill.
St. Giles erstaunt mich mit gemütlicher Wärme im Kirchenschiff.
Monumental erhebt sie sich über mir, die Decke zum Teil in blau, zum Teil in gemauertem, sichtbarem, mehr oder weniger gleichmäßigem Backstein. Bögen über Bögen, kleine Kapellen mit brennenden Kerzenlichtern, zum Bezahlen wird man nicht genötigt, nur wer geben kann, möge geben.
Im Kirchenschiff etliche Heizkörper – daher die wohlige Temperatur.
Falls einem das nicht genug Wärme ist, kann man „heilige Socken“ im kleinen Souvenirshop erwerben.
25. April
Mal wieder ist es feucht.
Der Ein-Uhr-Kanonenschuss wird trotzdem bestaunt.
Ein Uniformierter tritt zur Kanone, in der linken Hand seine Uhr, bleibt noch zwei Minuten unbeweglich stehen
bis er in zackigen Bewegungen die Kanone zündet und es ziemlich heftig knallt.
Rauch steigt auf, ein Großteil der Zuschauer verläuft sich und ein paar wenige begutachten die leere Patrone
und es scheint, dass auch ein Uniformierter lächeln kann.
26. April
Der letzte Tag, ein paar Museen und einfach Stadt.


















































































